
Industrielle Teilereinigung Trends und Aussichten 2026 - Interview Gerhard Koblenzer, CEO LPW Reinigungssysteme
Trends und Aussichten in der industriellen Teilereinigung für 2026: Gerhard Koblenzer, CEO der LPW Reinigungssysteme, im Trendbarometer-Interview mit Oliver Missbach, Chefredakteur von Oberfläche-Online.
Frage: „Herr Koblenzer, lassen wir als erstes kurz das Jahr 2025 Revue passieren: Wie verlief es und was waren die Highlights?"
Gerhard Koblenzer: „2025 war wie das Vorjahr sehr ernüchternd. Wir hatten, bis auf den Bereich Automobil, ein hohes Projekttätigkeitsaufkommen. Die Investitionsbereitschaft bewegte sich jedoch weiterhin auf einem sehr zögerlichen Niveau. Doch man lernt mit dem Krisenmodus umzugehen. Seit dem 4. Quartal hat der Auftragseingang spürbar zugenommen. Wenngleich klar ist, dass es sich dabei häufig um die ersten Resultate staatlicher Investitionsprogramme handelt. Zu unseren Highlights zählt, dass wir uns auch in diesem Jahr technologisch deutlich weiterentwickeln konnten. So haben wir zum Beispiel eigenständige Methoden für die Medien- und Luftversorgungssysteme in Verbindung mit hochreinen Anforderungen konzipiert, welche so noch nicht am Markt existierten. Außerdem haben wir unsere Automationslösungen, seit 20 Jahren eine unserer Kernkompetenzen, aufs nächste Level in Verbindung mit dem Reinraumtransfer gebracht. Des Weiteren zählt unser Highend High-Purity-System für Swacrit in Tirol zu den Jahreshighlights. In den Niederlanden hat unsere PowerJet Compact Pure Grade 1/ASML erreicht. Und last but not least freuen wir uns natürlich über den guten Auftragseingang zum Jahresende.“

Frage: „Die deutsche Wirtschaft steht 2026 vor großen Herausforderungen. Worauf müssen sich Unternehmen der industriellen Reinigungstechnik im neuen Jahr einstellen?“
Gerhard Koblenzer: „Schwach und aktuell perspektivlos ist das alte Zugpferd Automotive. Doch es gibt viele positive Entwicklungen in High Tech-Schlüsselbranchen, außerdem im Umfeld der Additiven Fertigung, seit langem unser Steckenpferd. Das klingt zwar zunächst gut und gibt Hoffnung. Jedoch treffen die verschiedenen Branchen auf eine Investitionsgüterindustrie, die sich in vielen Bereichen selbst noch im Wandlungsprozess befindet. Zudem führt die erschwerte Auftragslage zu einem unübersichtlichen Wettbewerb auf unterschiedlichen Fähigkeitsniveaus, welcher es Kunden schwer macht, die Spreu vom Weizen zu trennen.“
Frage: „Wie sieht es speziell für KMU im Jahr 2026 aus? Etwa vor dem Hintergrund des Fachkräftemarktes oder Anpassungen in den strukturellen Prozessen?“
Gerhard Koblenzer: „Der Fachkräftemangel wird aktuell verdeckt durch die steigenden Arbeitslosenzahlen und die fehlende Auslastung der Maschinen- und Anlagenbauer. Er ist aber weiterhin vorhanden und wird sich in den kommenden Jahren verstärkt auswirken. Die jüngeren Mitarbeiter in den Unternehmen müssen unbedingt gehalten werden, um den altersbedingten Weggang erfahrender Kollegen auszugleichen. Zudem entsteht ein steigender Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs im Fertigungs- und Montageumfeld sowie natürlich im Bereich der neuen digitalen Anforderungen.“

Frage: "Die Reinigungstechnik-Branche arbeitet schon seit langem in Verbänden wie dem FiT und dem CEC zusammen. Welche Bedeutung haben diese Kooperationen?“
Gerhard Koblenzer: „Die Branche ist KMU-dominiert und hat wenig Möglichkeiten wie ein Global Player weltweit zu agieren. Da wir jedoch inzwischen überwiegend international tätig sind, bieten diese Verbände in puncto Regelwerk, Fach- und Grundlagenarbeit, Markterschließung sowie Fachqualifikation wertvolle Unterstützung. Der Ausbau ist in vollem Gange. So arbeiten wir aktuell in einem neu etablierten FiT-Arbeitskreis an der Internationalisierung der Aktivitäten. Ein sehr spannendes Projekt mit hohem potenziellem Nutzen für die Mitglieder. Zudem fokussiert sich die Verbandsarbeit zunehmend auf den Aspekt der sauberen Produktionsprozesse, in dem die industrielle Teilereinigung als Schlüsseloperation ihren Platz hat. Dies stellt ein völlig verändertes Mindset dar.“
Frage: „Der Wettbewerb wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Es drängen Wettbewerber und Investoren aus dem Nicht-EU Ausland auf den Markt, in dessen Folge es zu Marktverschiebungen kommen könnte. Wie bereiten Sie sich darauf vor und wo können Sie punkten?“
Gerhard Koblenzer: „Die Wettbewerbssituation ist differenziert zu betrachten. In den hochwertigen kundenangepassten Segmenten findet man seinen direkten Wettbewerb unmittelbar in der deutschsprachigen Nachbarschaft. Dazu kommen jene Player, die durch EU-externe Investoren in die neuen hochwertigen Segmente hineingetragen werden oder denen bei der Umsetzung einer preisreduzierenden Standardisierungsstrategie finanziell stark unter die Arme gegriffen wird. Und betrachtet man beispielsweise den chinesischen Binnenmarkt, so hat sich dort inzwischen ein starkes und preisgünstiges Wettbewerbsumfeld entwickelt, gerade im Standardbereich. Dem kann man sich nur über eine lokale Fertigung stellen. Trotzdem gilt weiterhin: Made in Germany ist ein Gütesiegel. Vor allem, wenn es um High-End-Lösungen geht. Hier sehen wir uns als LPW weiterhin bestens platziert. Das ist auch nicht in erster Linie ein Kostenthema, sondern vielmehr ein Performance- und Erfahrungsthema in Bezug auf die geforderte Qualität.“

Frage: „Durch den Markteintritt ausländischer Unternehmen und umgekehrt wächst die Internationalität der Branche. Wie wirkt sich das auf die Messelandschaft aus?“
Gerhard Koblenzer: „Die klassischen Messen haben sich aus unserer Sicht in puncto Internationalität und Branchen-Schwerpunkte nicht ausreichend mitentwickelt. Für Besucher fehlen wesentliche Aussteller, die ein Gesamtbild jener Anbieter repräsentieren, die für den Aufbau und Erhalt sauberer Produktionsprozesse erforderlich sind. Wenn auch Begleitveranstaltungen, wie das Fachforum der parts2clean, zunehmend besser werden, gleichen diese das strukturelle Kernproblem nicht aus. Eine fatale Entwicklung, verbunden mit überproportionalen Kosten für den Aussteller. Daher liegt unser Fokus inzwischen auf hochaktiven Branchen- oder ausländischen Regionalmessen in Form von Tabletop-Formaten. Hier stehen das Netzwerk und die Interaktion im Vordergrund. An einem Tag haben wir dort mehr Leads als an drei Tagen auf einer klassischen Messe. Und das bei gerade mal 10-20% der Kosten.“
Frage: „Strukturell wandelt sich die Branche bereits seit einigen Jahren. Anbieter müssen nicht nur gute Maschinenbauer sein, sondern auch Dienstleister, die ihre Kunden in der gesamten Prozesskette begleiten und beraten. Welchen Stellenwert nimmt in Zukunft etwa das Monitoring ein, wie sieht es mit Machine Learning aus?“
Gerhard Koblenzer: „Monitoring unter dem Aspekt der Prozesstransparenz und der Nachvollziehbarkeit ist seit je her eine Pflichtaufgabe in sauberen Fertigungsprozessen. Und das nicht nur, wenn Validierungsvorgaben bestehen. Bei Feinst- und Ultrafeinstreinigungsanforderungen kommen aber zunehmend neue Fragen hinzu, die es zu beantworten gilt. Wie etwa: Können Risiken und Abweichungen bei der Technischen Sauberkeit frühzeitig erkannt werden und ist ein rechtzeitiges Gegensteuern möglich? Wie können Prozessketten, über Lieferantegrenzen hinweg, in einem Monitoring eingebunden werden? Sind die Vorprozesse, vor dem Reinigen, in Bezug auf deren Einflüsse auf die Reinigbarkeit der Bauteile in ein Monitoring integrierbar? Gibt es bezahlbare Lösungen für die Lieferketten? Unsere Aktivitäten zielen seit jeher darauf ab, tragfähige Lösungen für diese Aufgabenstellungen zu liefern. Jeder Teilaspekt in einem Reinigungsprozess generiert Informationen über dessen Performance und Fortschritt selbst, aber auch über die Einflüsse aus vorgelagerten Prozessen sowie den relevanten Rahmen- und Umweltparametern. Dieses Verständnis ist in der Konsequenz auch eine unabdingbare Grundlage für ein späteres Machine-Learning-Konzept. Wichtig ist die richtige Reihenfolge: Erst Prozessverständnis, dann eine digitale oder KI-basierte Konzeptumsetzung. Daher haben wir uns bereits vor zehn Jahren dazu entschieden, diese Monitoringansätze mit unserem Reinigungsverfahren der Zyklischen Nukleation zu kombinieren und ein entsprechendes Patent auf den Weg zu bringen. Es ist inzwischen erteilt und ergänzt das bereits bestehende Portfolio perfekt. LPW hatte hierfür 2015 die bestehenden europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Patente und Patentanmeldungen für das bis dahin erfolglose Verfahren der Zyklischen Nukleation übernommen und nach einem intensiven Entwicklungsprozess zu einem skalierbaren und prozesssicheren Baustein für ambitionierte Reinigungsprozesse in allen Industriebereichen weiterentwickelt.“

Frage: „Auch das Thema Normung entwickelt sich immer mehr in Richtung saubere Produktionsprozesse. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge?“
Gerhard Koblenzer: „Diesbezüglich ist Vieles in der Mache und wir sind in jenen Ausschüssen dabei, wo die Zukunft gestaltet wird. Das ist spannend und wertvoll. So wird dieses Thema aktuell unter anderem in den Richtlinienwerken des FiT erarbeitet sowie im DIN-Normenausschuss. Dadurch entstehen Transparenz und Regelwerke, die für die sich stark verändernden Anforderungen und Aufgaben dringend nötig sind. Das hilft dem Markt. Und natürlich auch uns als Unternehmen, das auf gewisse Standards angewiesen ist. So konnten wir unter anderem dabei mitwirken, dass Begriffe wie Cleanability, Qualitygate sowie Prozessketten unter dem Aspekt der Technischen Sauberkeit mittlerweile keine Fremdwörter mehr sind.“

Frage: „Was werden Ihre persönlichen drei Top-Präferenzen für 2026 sein?“
Gerhard Koblenzer: „Die Suche nach ruhigerem Fahrwasser. Der kontinuierliche Ausbau unserer Netzwerke und Partnerschaften sowie die Erweiterung unseres Angebots im Standard- und Sonderanlagenbau und bei der Dienstleistung. Doch über all dem steht der Wunsch, dass die Zumutungen von außen und innen für die Branche und die Menschen, die hier arbeiten, weniger werden!“
Oberfläche-Online: „Vielen Dank für das Gespräch, Herr Koblenzer!“ (OM-12/25)
Zur Person
Gerhard Koblenzer ist der CEO von LPW Reinigungssysteme GmbH. Der Riedericher Unternehmer zählt mit seinem Team zu den führenden High Purity-Spezialisten der Branche. Zudem ist er in zahlreichen nationalen sowie internationalen Gremien zu finden, die sich mit der Zukunft und entsprechendem Regel- und Normwerk für die Industrielle Bauteilreinigung beschäftigen.
Kontakt
LPW Reinigungssysteme GmbH
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Postfach 11 64, 72585 Riederich
Telefon: +49 (0)71 23 - 38 04-0
E-Mail: info@lpw-reinigungssysteme.de
www.lpw-reinigungssysteme.de
Über LPW Reinigungssysteme GmbH
Die LPW Reinigungssysteme GmbH zählt zu den führenden Anbietern hochwertiger Anlagen und Verfahrenstechnologien in der industriellen Bauteilereinigung mit wässrigen Medien. Die Systeme werden unter anderem in den Bereichen Maschinenbau, Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie in der allgemeinen Industrie eingesetzt. Mit dem Unternehmensbereich High Purity ist LPW zudem in Branchen mit Fein- und Feinstreinigungsaufgaben wie der Medizintechnik, optischen und Halbleiter-Industrie ein gefragter Partner.