Fenster und Türen mit Spritzroboter automatisch beschichten

Ein Fensterhersteller stellte von manueller Handlackierung auf automatisierte Roboterlackierung um. Jetzt wird der gesamten Drei-Schicht-Aufbau bei Fenstern, Haustüren und Fassadenelementen vollautomatisch über einen Spritzroboter abgewickelt.

Das süddeutsche Familienunternehmen Krazer Fensterbau hat gemeinsam mit dem österreichischen Lackhersteller Adler ein Pionierprojekt umgesetzt: Im neu eingerichteten Oberflächenbereich werden Fenster, Haustüren und Fassadenelemente von der Grundierung bis zum Decklack mit einem Spritzroboter beschichtet – vollautomatisch und in höchster Qualität.

Krazer Fensterbau ist ein Unternehmen, wie es viele in Deutschland gibt: Ein kleine, feine Handwerksfirma, mit Tradition, Charakter und dem Qualitätsbewusstsein eines Meisterbetriebs. Mit der Spezialisierung auf hochwertige Fenster, Türen und Glasfassaden hat sich das Familienunternehmen aus Mutlangen (Baden-Württemberg) einen hervorragenden Ruf erworben und setzt anspruchsvolle Projekte vom gehobenen Wohnungsbau bis zum Denkmalschutz um. Seit einigen Jahren erhält Seniorchef Siegfried Krazer Unterstützung durch die nächste Generation mit Tochter Jasmin, frischgebackene Glasermeisterin, und Sohn Michael, der in Rosenheim sein Master-Studium abgeschlossen hat. Generationswechsel sind oft eine Gelegenheit, frischen Wind ins Unternehmen zu bringen, eingespielte Abläufe zu überdenken und Neues zu wagen. Im Falle von Krazer Fensterbau blieb es aber nicht bei ein wenig frischem Wind – vielmehr entfachte Michael Krazer einen regelrechten Wirbelsturm und setzte ein Projekt um, das es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben hat.

Beschichtung vollautomatisch über einen Spritzroboter

Schon seit Längerem war geplant, die Produktion aus dem bestehenden, beengten Firmengebäude im Ortskern von Mutlangen in eine Halle im Gewerbegebiet zu übersiedeln. Dabei wurden auch die Produktionsprozesse auf den Prüfstand gestellt, vor allem jene im Oberflächenbereich. Denn bislang wurde bei Krazer so beschichtet wie bei vielen kleineren Fensterherstellern: Die Fenster wurden händisch getaucht und dann am Handspritzstand zwischen- und decklackiert – ein aufwendiges Verfahren, bei dem jedes Fenster mehrfach in die Hand genommen werden muss, dazu noch fehleranfällig und materialintensiv. Das müsste doch besser gehen, dachte Michael Krazer – und Hans-Jürgen Benzinger, sein Kundenberater beim österreichischen Lackhersteller Adler, hatte die passende Antwort parat. Das von Adler neu entwickelte Beschichtungsverfahren erlaubt, den gesamten Drei-Schicht-Aufbau vollautomatisch über einen Spritzroboter abzuwickeln.

Automatisierung für jede Werkstätte

Herzstück des innovativen Systems ist die Spritzgrundierung Aquawood Primo RSQ. „Holzfenster werden meist im Tauch- oder Flutverfahren grundiert und dann im Spritzverfahren zwischen- und decklackiert. Für Hersteller bedeutet das in der Regel: Entweder sie investieren in eine komplette industrielle Beschichtungsanlage oder sie beschichten ganz klassisch per Hand“, erklärt Matthias Stötzel, Leiter der Fenster-Anwendungstechnik bei Adler. „Mit unserer neuen Spritzgrundierung kann der gesamte Beschichtungsprozess mit einem Spritzroboter abgewickelt werden. Dadurch ist ein hohes Maß an Automatisierung mit einem kalkulierbaren Investitions- und Platzbedarf möglich.“ Die Vorteile: Kurze Durchlaufzeiten, minimaler Material- und Reinigungsaufwand, eine enorme Ersparnis an Arbeitszeit, eine saubere Arbeitsumgebung. Und vor allem: Eine deutlich höhere Oberflächenqualität, denn durch den gleichmäßigen Auftrag mit dem Roboter gehören Läufer, Wolkenbildung, Fingerabdrücke und Staubspuren der Vergangenheit an.

Lackierung mit Roboter im Umluftbetrieb gespritzt

Bei Michael Krazer liefen Benzinger und Stötzel damit offene Türen ein. „Einerseits kam aufgrund des energetischen Konzepts unserer neuen Halle und der Heizung mit Wärmepumpe eine Handlackierung mit Abluft nicht in Frage. Andererseits suchten wir auch nach Möglichkeiten, die Arbeit durch Automatisierung zu erleichtern“, so Krazer. Gemeinsam mit Matthias Stötzel arbeitete er ein Verfahren aus, bei dem Grundierung, Zwischenbeschichtung und Decklack mit dem Roboter im Umluftbetrieb gespritzt werden. Von der Planung der neuen Anlage über die Feinabstimmung von Lackierprozess und Material bis zur Programmierung des Roboters waren Einsatz und Teamwork gefragt, bis auch die komplexesten Fensterelemente in den heikelsten Farbtönen perfekt beschichtet wurden. „Das Team unserer Anwendungstechnik und Thomas Tuschy als Techniker im Außendienst haben großartige Arbeit geleistet“, lobt Matthias Stötzel. „Denn in unserem neuen Beschichtungskonzept steckt nicht nur hohe Produktqualität, sondern auch sehr viel Forschungsarbeit und Prozesswissen rund um die Anlagen- und Verarbeitungstechnik.“

Gestiegene, konstante Oberflächenqualität

Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt: „Es war natürlich ein gutes Stück Arbeit, bis alles eingespielt war, aber dank der hervorragenden Unterstützung durch Adler läuft jetzt alles wie geschmiert“, erklärt Michael Krazer. Die neue Anlage meistert das gesamte Produktionsspektrum: Holz- und Holz-Alu-Fenster, Haustüren und Fassadenelemente, deckend und lasierend, auf jeder Holzart und in jedem Farbton. Die Elemente werden zu Beginn in eine der 20 Traversen eingehängt, fahren dreimal durch den Spritzroboter, Trocknung und Zwischenschliff erfolgen am hängenden Teil. Nur einer von vielen Vorteilen, die Krazer aufzählt: „Früher mussten wir allein in die Tauchwanne 60 Liter Material einfüllen – jetzt arbeiten wir mit 4-Liter-Dosen, können den Bedarf gut planen und haben immer frisches Material. Ein Farbwechsel ist in wenigen Minuten erledigt, Reinigungsaufwand, Materialverlust und Spülwassermengen sind minimal.

Auch großformatige und schwere Teile können problemlos beschichtet werden, in der Werkstätte ist es sauber, und durch den Umluftbetrieb des Spritzroboters haben wir kaum Wärmeverluste.“ Dazu kommt eine deutlich gestiegene, konstante Oberflächenqualität ohne Nacharbeiten – und eine enorme Erleichterung des Arbeitsalltags: „Der Roboter ist einfach zu bedienen und arbeitet komplett selbständig. Die Beschichtung passiert mehr oder weniger nebenher und wir haben mehr Zeit für andere Aufgaben.“ Damit erwies sich die Umstellung des Beschichtungsprozesses auf das innovative Adler-System als echter Glücksgriff, so Michael Krazer: „Wir haben nun alle Vorteile eines hohen Automatisierungsgrades, angepasst auf die Rahmenbedingungen eines klassischen Handwerksbetriebs. Das ist eine hervorragende Investition in eine erfolgreiche Zukunft unseres Unternehmens!“ (OM-5/26)

Kontakt

Adler-Werk
Lackfabrik Johann Berghofer GmbH & Co KG
Bergwerkstr. 22
6130 Schwaz (Österreich)
Telefon: +43 5242 6922
E-Mail: info@adler-lacke.com
www.adler-lacke.com

Über Adler Lacke

Mit rund 670 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist Adler Österreichs führender Hersteller von Lacken, Farben und Holzschutzmitteln. 1934 von Johann Berghofer gegründet, wird das Familienunternehmen heute in der dritten Generation von Andrea Berghofer geführt. 22.000 Tonnen Lack verlassen jährlich das Schwazer Werk und gehen an Kunden in über 30 Ländern weltweit. Adler hat Vertriebsgesellschaften in Deutschland, Italien, Polen, den Niederlanden, der Schweiz, Tschechien und der Slowakei.

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