Digitale Transformation: Videostreaming ersetzt nicht die digitale Agenda

Was sind die Trends in der Digitalisierung und der digitalen Transformation, wie stehen deutsche KMUs im internationalen Vergleich da und wie wirkt sich Corona aus? Oberfläche-Online befragt Michael Mattis, Veranstalter des DIGITAL FUTUREcongress.

Digitaliserung und digitale Transformation stehen branchenübergreifend auf der Agenda praktisch aller Unternehmen. Auch in der Oberflächentechnik als technologie- und innovationsorientierte Branche führt für die Unternehmen kein Weg am Thema Digitaliserung vorbei. Wir sprachen mit Michael Mattis, der seit einigen Jahren den Digitalisierungkongress DIGITAL FUTUREcongress (DMC) organisiert, über digitale Intensität, die digitale Agenda und Langzeitstrategie von Unternehmen, UX-Design und warum mit der Verwendung eines Web Conference Tools noch nicht das Ende der Digitalisierung erreicht ist. Das Gespräch führte Oliver Missbach.

Frage: „Herr Mattis, am 03.11.2022 veranstalten Sie den nächsten DFC in Essen. Wo sehen Sie derzeit die größten Trends in der Digitalisierung und der digitalen Transformation besonders im Mittelstand?"

Michael Mattis: „Wir können hier einen relativ klaren Trend erkennen. Während in den vergangenen Jahren oftmals an den Prozessen innerhalb der Unternehmen optimiert wurde, sehen wir deutlich, dass bei vielen Mittelständlern mittlerweile ein Umdenken stattgefunden hat. Mehr und mehr verlagern die Firmen ihren Fokus auf die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells. Dabei werden vermehrt Fragen gestellt wie zum Beispiel, wie können wir das eigene Geschäftsmodell in die digitale Welt bringen? Oder welche Komponenten könnten wir aus unserem Geschäftsmodell digitalisieren bzw. neue hinzufügen?

Das halte ich für überaus wichtig und sinnvoll. Am erfolgreichsten sind meines Erachtens Firmen, die sich frühzeitig vom "Klein-Klein" der Digitalisierung befreien und einfach größer denken.“

Frage: „Wie sind im Moment deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung, besonders im Mittelstand, Ihrer Meinung nach im europäischen und weltweiten Vergleich aufgestellt? Wo sehen Sie Optimierungsbedarf?“

Michael Mattis: „Ich denke, wir sind uns einig, dass wir am Start der 4. Digital Revolution stehen. Im Vergleich zum europäischen Ausland sind wir in Deutschland nach meinem Gefühl in den vergangenen Jahren eher noch abgefallen, als dass wir aufgeholt haben. Schlimm ist in jedem Fall, dass diese Entwicklung insbesondere KMU in Deutschland betrifft. Dazu gibt es auch eine entsprechende Studie vom Institut für Mittelstand ifM Bonn aus dem Jahr 2021. In der Befragung geht es um die sogenannte digitale Intensität. Während deutsche KMU eine sehr niedrige Intensität bei der Digitalisierung aufweisen, haben Großunternehmen hierzulande durchaus respektable Werte vorzuweisen und befinden sich mit ihrer Digitalstrategie und den digitalen Maßnahmen absolut im EU-Schnitt.

Verbesserungsbedarf sehe ich in jedem Fall auch im Online-Verkauf. Auf dem DFC in Essen haben wir erstmals eine PIM-Street mit dabei. PIM steht für Product Information Management. Vielen deutschen Unternehmen ist dieser Begriff noch vollkommen unbekannt. Es geht hier um die strukturierte Aufbereitung von Daten, die für Print-, Web-, E-Commerce- und sonstige Projekte innerhalb des Unternehmens nur an einem zentralen Ort gesammelt und gepflegt werden. Gerade wenn Firmen beabsichtigen, in den E-Commerce-Bereich einzusteigen und eigene Shops zu betreiben, um vielleicht unabhängiger von Branchenriesen wie Amazon zu werden, sind das wesentliche Elemente, die man beachten muss.“

Frage: „Inwieweit hat die Pandemie die Digitalisierung von Unternehmen beschleunigt, auch vor dem Homeoffice-Hintergrund?“

Michael Mattis „Corona hat die Digitalisierung in jedem Fall dramatisch beschleunigt. Viele Mitarbeiter wollen ja gar nicht mehr zurück ins normale Firmen-Büro gehen und sind sehr froh, auch zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice zu verbringen. Hier können Beruf und Familie einfach besser vereinbart werden. Man darf sich aber auch nicht täuschen lassen. Jetzt über Videostream miteinander zu sprechen ist schön und gut, ersetzt aber nicht die langfristige digitale Agenda des Unternehmens und die damit verbundene Langzeitstrategie. Wer dies verwechselt und glaubt, dass er per installiertem Video oder Web Conference Tool mit seiner Digitalisierung fertig ist, wird scheitern. Dazu gehört insbesondere auch die Sicherheit der Arbeitsplätze im Homeoffice, denn hier werden von Kriminellen viele Cyber-Angriffe gefahren und Erpressungsversuche über das Internet gestartet. In einigen DIGITAL FUTUREmag-Interviews haben wir zu diesem Gefahren-Aspekt auch schon intensiv berichtet. Insgesamt hat aber ein Umdenken stattgefunden. Das können wir ganz klar sehen. Die Aussteller beim DFC und auch bei der dikomm, der parallel stattfindenden Kongressmesse für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, bieten immer mehr geeignete Möglichkeiten an, damit das Personal auch von zu Hause aus datengeschützt und ohne Wartezeiten oder technische Probleme digital seine Aufgaben erledigen kann.“

Frage: "Was sind für Sie die wichtigsten Gründe für Unternehmen, am DIGITAL FUTUREcongress in Essen teilzunehmen?“

Michael Mattis: „Ich denke, da gibt es viele Gründe. Der wichtigste aber zuerst. Im Gegensatz zu der Möglichkeit, Informationen zum Thema Digitalisierung individuell per Online-Recherche zu finden, bietet ein hybrider Kongress dieser Art - vor allem vor Ort - eine Menge kollektiver Chancen für Inspiration, neue Ideen und Impulse. Wenn Sie noch nie etwas von UX-Design gehört haben, werden Sie diesen Begriff auch nicht im Web suchen. Wenn Sie aber verstanden haben, welche Bedeutung es hat, Ihren Internetauftritt, Ihre App oder auch Ihr internes ERP-System in dieser Hinsicht zu optimieren, sind Sie ein großes Stück weiter. UX oder User-Experience-Design etwa wird in den kommenden Jahren immer signifikanter  werden und dies ist nur ein Baustein von vielen. Der persönliche Austausch mit Menschen rund um die Digitalisierung von Geschäftsmodellen ist der Schlüssel für das Verständnis und die Umsetzung der eigenen digitalen Strategie. Abgesehen davon bietet der DFC natürlich ein anwenderorientiertes, praxisbezogenes Programm an Vorträgen und Workshops, eine Ausstellung mit Lösungsanbietern sowie zentral natürlich eine Networking Area, auf der Sie mit Gleichgesinnten, Branchen-Kollegen oder Technologieprofis ins Gespräch kommen und eben Tipps zu geeigneten Maßnahmen, Best Practise-Empfehlungen oder konstruktive Erfahrungen mitnehmen können. Wir sind uns sicher einig, dass das lebenslange Lernen auch im Kontext einer interessierten Community eindeutig zu einem der entscheidendsten Entwicklungs- wie Erfolgsfaktoren für Unternehmen zählt.“

Frage: „Wie sind Sie eigentlich persönlich auf das Thema Digitalisierung gekommen und was fasziniert Sie dabei?“

Michael Mattis: „Als Ingenieur hat mich Technik schon immer interessiert. Und Digitalisierung ist sozusagen die Spitze der Technik. Sie werden heute keinen Mähdrescher oder auch kein hochwertiges Gartengerät mehr verkaufen, wenn Sie nicht das Thema Digitalisierung mitgedacht haben. Digitalisierung betrifft alle Bereiche unseres Lebens, unserer Industrie und unserer Arbeitswelt. Deshalb finde ich Digitalisierung einfach faszinierend. Das Thema KI bspw. ist erst ganz am Anfang. Von daher haben wir noch eine Menge zu lernen, zu verstehen und schließlich auch in die Unternehmensprozesse umzusetzen. Wenn sich Geschäftsführende und IT-Entscheider diesen Herausforderungen aber motiviert, aktiv und offenen Auges stellen, wird das für ihr Business Früchte tragen und Wettbewerbsvorteile bringen.“ .

Zur Person

Michael Mattis ist Inhaber von AMC Media Network und Veranstalter des DIGITAL FUTUREcongress (DFC).

Kontakt

AMC Media Network GmbH & Co. KG
Otto-Hesse-Straße 19
64293 Darmstadt (Deutschland)
Tel.: +49 (0) 6151 – 957577 -0
E-Mail: office@amc-media-network.de
amc-media-network.de

Über AMC Media Network

Die AMC Media Network GmbH & Co. KG ist der Veranstalter des DIGITAL FUTUREcongress, der Plattform für die neuesten Trends und Lösungen für die Digitalisierung im Mittelstand. Das Unternehmen gibt außerdem das Fachmagazin DIGITAL FUTUREmag heraus und entwickelt und betreibt die DICOO Enterprise Community &  Social-Media Plattform.